Was unsere Ärzte in Kambodscha lernen

Helfen ist nie eine Einbahnstrasse. Das erleben die Ärztinnen und Ärzte des Kinderspitals Zürich bei ihren Einsätzen in den Kinderspitälern Kantha Bopha in Kambodscha: «Ich habe auch jedes Mal etwas gelernt, ich hatte das Gefühl, jetzt weiss ich, warum ich Medizin studiert habe», sagt zum Beispiel Professor Dr. med. Oliver Kretschmar, einer der vielen Professor(inn)en, die Dr. med. Beat Richner nach Kambodscha gerufen hat, um dort die einheimischen Ärztinnen und Ärzte zu unterstützen und weiterzubilden. Kretschmar ist Chefarzt Pädiatrische Kardiologie am Kinderspital Zürich und zudem Leiter des Herzkatheter Labors. Ausserdem ist er Mitglied des Stiftungsrates. Er hat seit 2010 in zahlreichen Einsätzen vor Ort die kardiologische Diagnostik etabliert und erste, minimal-invasive Eingriffe mit dem Katheter, die letztlich eine Herz-Operation ersetzen, organisiert. Dies zu einer Zeit, als die Kantha Bopha-Spitäler noch nicht über eine Herzchirurgie verfügten wie heute.


«Das war sehr spannend, denn die Ärztinnen und Ärzte lernten den Umgang mit dem Herzkatheter ohne langjährige vorgängige theoretische Ausbildung wie bei uns. Sie wurden einfach ins kalte Wasser geworfen, es war learning by doing, aber natürlich haben wir es ihnen genau gezeigt und zuerst nur einfache Eingriffe gemacht, die sehr erfolgreich waren. Ich habe bei jeder neuen Mission etwas Neues hinzugenommen, einen neuen Eingriff, neues Material. Und so haben wir das über die Jahre immer weiterentwickelt. Vieles von dem machen sie heute selbständig mit grosser Routine.»


Was hat das Professor Kretschmar persönlich gebracht? «Es ist eine extrem hohe Befriedigung, wenn du siehst, dass das, was du ihnen erklärst und zeigst, extrem dankbar entgegengenommen wird. Dass sie es annehmen, umsetzen und dass es nach kürzester Zeit auch ohne meine Anwesenheit funktioniert. Das ist unglaublich befriedigend, und du hast das Gefühl, dass es sich einfach gelohnt hat. Andere nennen das nachhaltig.»


Es ist auch eine Rückkehr zu einer unmittelbareren Medizin: «Es tut mir jedesmal wieder gut, weil ich dort «Medizin pur» machen kann ohne all den administrativen Aufwand, den wir bei uns haben, der sicher nötig ist, aber manchmal nervt und den Blick auf das Wesentliche versperrt. Ich habe auch jedesmal etwas von ihnen gelernt, manchmal auch, wie man Abläufe/Behandlungen effektiver gestalten kann. Ich habe Krankheitsbilder gesehen, die wir eigentlich kaum noch kennen. Das kommt auch unseren Kindern in der Schweiz zugute.»


Interessant auch, wie der Einsatz sich auf das persönliche Befinden auswirkt: «Ich gehe ja nicht in die Ferien dort! Wir arbeiten hart, und es ist heiss. Aber ich komme immer viel gelassener zurück. Ich weiss dann wieder, es kommt letztlich nur auf die Behandlung des Patienten an, man gewinnt auch einen gewissen Abstand zu seinem eigenen Tun. Und die Familien sind unendlich dankbar für die Behandlung ihres Kindes, das sie sonst möglicherweise verloren hätten. Das ist sehr berührend, auch wenn man ihre Sprache leider nicht versteht.»


Dieses gute Gefühl, am richtigen Ort etwas getan zu haben, das mit grösster Dankbarkeit empfangen wird, dürfen auch die vielen Spenderinnen und Spender teilen, die die Kinderspitäler in Kambodscha ermöglicht haben. Wer hilft, kriegt immer etwas zurück.


Jeder Franken hilft heilen, retten und vorbeugen.

Dr. iur. René Schwarzenbach, Präsident,

Prof. Dr. med. Michael Grotzer, Vizepräsident

Stiftung Kinderspital Kantha Bopha, Dr. med. Beat Richner,

PC 80-60699.1, IBAN Nr. CH98 0900 00008006 0699 1

www.beat-richner.ch, www.facebook.com/dr.beat.richner


A Matter of Heart , Kurzfilm mit Oliver Kretschmar, 2020


Dr. Oliver Kretschmar und Dr. Beat Richner in Kantha Bopha Siem Reap, 2011

Filmausschnitt aus Beatocellos Schirm von Georges Gachot